Physische Belastung bei Dreimonatskoliken – Babys müssen viel aushalten
Gemäß der 1954 vom amerikanischen Kinderarzt Morris Wessel aufgestellten „Dreierregel“ liegt eine von exzessivem Schreien begleitete Dreimonatskolik dann vor, wenn das Baby mindestens drei Wochen an mindestens drei Tagen in der Woche und mehr als drei Stunden am Tag schreit, ohne sich beruhigen zu lassen. Unabhängig vom Grund der Beschwerden: Allein das exzessive Schreien ist auf die Dauer eine schwere physische Belastung für das Baby.
Die typische Dreimonatskolik beginnt in der zweiten Lebenswoche und dauert bis zum dritten Monat, wobei die Beschwerden des Babys im zweiten Lebensmonat zunehmen. Ob hinter einer Dreimonatskolik innere Unruhe und Überreiztheit oder eine durch Nahrungsumstellung bedingte Kolik steckt, ist nach Ausschließen anderer Krankheiten nicht immer eindeutig zu klären. Paare mit Kinderwunsch sollten daher schon auf eine eventuelle Dreimonatskolik vorbereitet sein, denn auch für die Eltern sind Schreibabys vor allem eine psychische Belastung. Kinderwunsch Ratgeber können im Vorfeld professionelle Hilfestellung leisten. Alle werdenden Eltern seien aber beruhigt, denn nicht jedes Baby ist von der Dreimonatskolik betroffen. Laut Statistik sind es etwa 16 bis 29 Prozent. Ein entspanntes Familienumfeld und eine liebevolle Eltern-Kind-Beziehung können zudem dazu beitragen, dass sich das Baby im Fall der Fälle schneller beruhigt.
Übermüdung und Schlafmangel
Schreibabys haben am Tag nur kurze Schlafphasen und sind dafür am Abend umso müder und überreizter. Dies bedeutet aber nicht, dass sie dafür nachts länger schlafen, im Gegenteil. Überreizte Babys schlafen trotz Übermüdung schlecht ein und wachen bei jedem kleinsten Geräusch wieder auf. Schreibabys schlafen im Durchschnitt drei Stunden weniger als andere Babys. Der daraus resultierende Schlafmangel hat dementsprechende Folgen für die Gesundheit. Die Anfälligkeit gegenüber Infektionen wächst.
Wie bei älteren Kindern und Erwachsenen auch führt chronischer Schlafmangel bei Babys zu einer erhöhten Reizbarkeit und allgemeinem Unwohlsein, was zum Teil auch das Schreien erklärt.
Schmerzen und Flüssigkeitsverlust bei echten Koliken
Sollte die Ursache einer Dreimonatskolik eine durch Nahrungsmittelunverträglichkeit hervorgerufene Kolik sein, äußerst sie sich durch Blähungen und eine harte Bauchdecke. Das Baby krümmt sich vor Schmerzen und zieht die Beine an. Ebenso gut kann ein durch Blähungen gehärteter Bauch auch vom Schreien und der heruntergeschluckten Luft herrühren, weshalb eine Diagnose nicht immer eindeutig gestellt werden kann. In jedem Fall stellen unerträgliche Schmerzen für das Baby eine enorme physische Belastung dar. Das weiß jeder Erwachsene, der seine Beschwerden immerhin artikulieren kann und dann schnell ein entsprechendes Medikament zur Hand hat.
Zugleich schwitzt das Baby übermäßig viel. Je nach Art der Kolik oder Lebensmittelunverträglichkeit erbricht es mehrmals, was insgesamt einen unverhältnismäßig hohen Flüssigkeitsverlust zur Folge hat – eine zusätzliche Belastung für den Organismus.
Aber: Schreibabys werden nicht heiser
Angesichts der physischen Belastungen, die eine Dreimonatskolik mit sich bringt, ist es erstaunlich, dass die Babys nicht heiser werden oder sich die Stimmbänder entzünden. Das hat mehrere Gründe. Zum einen atmen Babys beim Schreien instinktiv tiefer in den Bauch ein, was die Stimmbänder schont aber der Stimme eine unglaubliche Lautstärke verleiht. Zum anderen sind die Stimmbänder noch jung und unbelastet. Erst ältere Stimmbänder sind durch Umweltfaktoren und Krankheiten bereits angegriffen und klingen dann heiser, wenn sie durch lautes Reden oder Schreien beansprucht werden.